Die Freude beim Gärtnern. Klappe, die Dreizehnte
Die Freude beim Gärtnern. Klappe, die Dreizehnte

Die Freude beim Gärtnern. Klappe, die Dreizehnte

Alte Baumbestände sind auf meinem Grundstück eher rar. Etliche hochgewachsene Fichten, die in sehr viel kleinerem Format einstmals in Wohnstuben und in der zwischen 1807 und 1993 hier existierende Gaststätte mutmaßlich für weihnachtliche Stimmung sorgten, habe ich fällen lassen. Die bis zu 50 Meter hohen Bäume mögen zum Bayerischen Wald, dem Fichtelgebirge oder in den Berliner Grunewald passen, nicht aber in die Elbtalauen. Zudem hatten auch meine sieben Fichten unter den Extremen in den letzten Jahren gelitten. Einige existierten nur noch als dürre braune Skelette .

Zum Vorteil gereichten die Fällarbeiten einer Eiche und einem Apfelbaum, die im Schatten der mächtigen Fichten darbten. Jetzt strecken sie ihre mickrigen Äste zum Licht. Ob der Apfelbaum jemals Früchte tragen wird?

die Weide, im Hintergrund die Walnuss ©GvP

Erhalten von den alten Beständen sind ein kolossaler Walnussbaum und eine prächtige langtriebige Weide, seit jeher mein Lieblingsbaum. Handelt es sich doch um einen mystischen Baum, dem ebenso Schönes und wie Schauriges nachgesagt wird. Wegen ihres raschen Wachstums gilt das Gehölz als ein Symbol für Fruchtbarkeit. In der Ära der Hexenverfolgung glaubte man etwa daran, dass der Teufel in seinem Astwerk haust. Überaus beliebt war die Weide bei den Dichtern und Malern der Romantik. Ihrem großen Weltschmerz entsprechend haben sie den Baum mit Melancholie und Trauer gleichgesetzt.

Dem Walnussbaum wird ebenfalls so einiges nachgesagt. Dass dessen Blätter entzündungshemmende und blutstillende Wirkung haben, nutzte man bereits zurzeit von Karl dem Großen. Die alten Griechen sollen die Walnuss für eine göttliche Frucht gehalten haben. In der Antike hieß es allerdings auch, keinesfalls in dessen Schatten einzuschlafen, da böse Mächte ihr Unwesen in dessen Krone treiben. Christliche Auslegungen gibt es ebenfalls: die bittere grüne Hülle soll das Leiden Christi, die harte runzlige Schale das Kreuz symbolisieren, an dem Jesu den Tod fand, und der essbare Kern für das süße Fleisch Christi stehen. Damit erklärt sich, warum Walnüsse in der Weihnachtszeit gerne auf dem Gabentisch und Plätzchenteller liegen oder am Christbaum hängen.

die Arbeit im Herbst © GvP

Mir gereichen Weide und Walnuss auch ohne Symbolik zur Freude. Die Walnuss allerdings nicht mehr ganzjährig. Seitdem ich mich belehren ließ, dass dessen Blätter meinem Rasen und so manche Pflanze schädigen, gereicht mir der kolossale Baum im Herbst zum Ärgernis. Denn durch den Zersetzungsprozess des abgeworfenen Laubes bildet sich der Gerbstoff Juglon, der sich auf die benachbarte Vegetation stark wachstumshemmend auswirkt. Zudem siedeln sich auf dem faulenden Blattwerk Pilze und Bakterien an. Was wiederum für mich heißt: Wenn der mächtige Walnussbaum seine Blätter aus der Krone fallen lässt, steht körperliche Arbeit an. Berge von Laub sind dann zu entsorgen.

reiche Ernte ©GvP

Feucht-schwere Blätter zu Haufen zusammenkehren, diese in den Gartenabfallsack hieven und selbigen quer über mein relativ großes Grundstück schleppen. Keinesfalls – auch das habe ich inzwischen gelernt – darf man das Laub der Walnuss in den Komposter geben. Was sich in meinem Fall allerdings schon deshalb erübrigt, weil ich die Kraft gar nicht aufbringen würde, den Sack über dem randvoll gefüllten Komposter zu entleeren. Entsorgt wird das nur schwer verrottende Laubwerk etwas entfernter, was wiederum den guten Zweck erfüllt, dass das sich freisetzende Juglon den dort wuchernden Brennnesseln den Garaus macht. Hoffe ich.

Für Verdruss sorgt insbesondere, dass sich die mächtige Walnuss nicht ruckzuck entblättert. Offenbar hat mein Baum von versierten Striptease-Tänzerinnen gelernt: je langsamer und verzögerter, desto stärker die Lust und das Vergnügen. Mir jedoch bereitet die perfide Art des Walnussbaumes, sich nur häppchenweise zu entblättern, großes Missvergnügen. Denn so bin ich ab Mitte Oktober bis weit hinein in den November mindestens einmal wöchentlich gefordert, Berge von Laub zu entsorgen. Versöhnlich können mich auch nicht dessen wohlschmeckende Nüsse stimmen, von denen er heuer besonders viele trug. Als Ausgleich für die Strapazen? Leider weiß ich ob der schieren Masse nicht, wohin mit den vielen Nüssen.

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