Am Freitag, dem 20. März 2026, schloss der hiesige Discounter im Zentrum von Neuhaus plötzlich seine Türen. Verdutzte Kunden wurden per Aushang informiert, dass eine technische Störung vorliege, die man beabsichtige, schnellstmöglich zu beheben. „Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch“, das stand da zwar nicht, aber mit dem Hinweis wurde die Zuversicht geweckt, dass der Laden in Bälde wieder zugänglich ist.

Zwar existiert in Neuhaus ein weiteres Geschäft für den täglichen Bedarf, der „Konsum“. Was eine Reminiszenz an eine der beiden großen Handelsketten ist, die in der DDR existierten. Vor allem auf dem Land war der Konsum wegen günstiger subventionierter Festpreise einst für die Versorgung essenziell. Diese Funktion büßte er längst ein. Frequentiert wird hier vor allem der vor 15 Jahren neu erbaute und erst vor einigen Jahren frisch renovierte Penny, der auch ein wichtiger Treffpunkt für Austausch, Information, Klatsch und Tratsch ist.
Zwei Wochen zogen ins Land. Und der zentrale Versorger blieb zu. Da Informationen etwa über die Ursache und die Art der Störung ausblieben, kochten die Gerüchte hoch. Die Stimmen, die auf eine baldige Wiedereröffnung wetteten, wurden stiller. Jene hingegen entsprechend lauter, die eine dauerhafte Schließung mutmaßten. Alsbald war sogar von einem Abriss des Gebäudes die Rede, da der Laden vor 15 Jahren auf einem ehemaligen Moorboden mit geringer Tragfähigkeit erbaut worden war. Spekulationen machten die Runde. Wurden damals Sicherheitsinteressen anderen hintenangestellt? Statische Planungen und Maßnahmen zur dauerhaften Festigung der Bauwerksstabilität vernachlässigt?
Auf Informationen seitens des verantwortlichen Betreibers, sprich der Rewe Group und deren zuständiger Regionalbetreuung für die im Osten gelegenen Penny-Märkte, hofften die beunruhigten Kunden vergeblich. Eine Stellungnahme der Gemeindeverwaltung, der durchaus bewusst gewesen sein dürfte, welche Bedeutung der Discounter im Amt hat und wie schwerwiegend ein Verlust für die örtliche Versorgung wäre, blieb ebenfalls aus.
Zu spät gezündet haben auch die lokalen Medien, für die eine plötzliche Schließung eines bedeutenden Discounters im strukturschwachen ländlichen Raum ein großes Thema mit garantierter Reichweite gewesen wäre. Erst elf Tage nach dem Ereignis, das eine ganze Region verunsichert hat, erschien im Hagenower Lokalteil des Nordkuriers am 31. März ein Online-Bericht mit einem Zitat der zuständigen Penny Neuhaus-Regionalbetreuung. Bei einer Routineuntersuchung seien statische Auffälligkeiten festgestellt und das Geschäft deshalb vorbeugend geschlossen worden. Obwohl der Bericht weiterhin wichtige Fragen offenlässt, wähnte sich damit auch die Gemeindeverwaltung aus dem Schneider, indem sie den Artikel von Sascha Nitsche am Vormittag des 31. März kommentarlos auf ihrer Homepage veröffentlicht hat.
BTW: Laut kleinem PR-Einmaleins begeht eine Todsünde, wer in Krisen- oder Notsituationen den Kopf in den Sand steckt und nicht kommuniziert. Wer glaubt, nicht informieren zu müssen, der lässt Spekulationen freien Lauf und nimmt bewusst Imageverluste in Kauf.
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Liebe Gesine, der (das) Konsum Neuhaus ist (und bleibt ?) ein Teil der Konsumgenossenschaft Hagenow eG, die mE in der alten Tradition der west- und ostdeutschen Konsum-Geschäfte steht, in Hamburg übrigens damals „Produktion“ oder „Pro“. Später ging im Westen dann alles seinen SPD-Abwicklungsgang über Co-op usw.. Meine (vordergründig christlichen) Eltern kauften übrigens damals nicht im sauerländischen Konsum, weil das ja die Sozis waren.
Und wie bei allen Genossenschaften kann man auch im Konsum Mitglied werden. Hab aber keine Ahnung, wie dann die Preise im Konsum im Vergleich mit den Treuepunkten etc bei Penny aussehen.
danke für den Hinweis, Sigbert, der Irrtum wurde flugs bereinigt.
Wenn ich diesen Beitrag hier lese, frage ich mich, warum du nicht schon vor dem Schließen des Penny-Marktes einen Beitrag verfasst hast.
Natürlich ist es sehr ärgerlich, dass der Markt geschlossen ist und keine Informationen herausgegeben werde. Natürlich ist das der Nährboden für die wildesten Gerüchte und teilweise beklopfe Aussagen hier im Amt.
Aber wenn die Verwaltung dieser Gemeinde auf Nachfragen bei Penny, bzw. Der REWE Gruppe keine Hinweise erhält, um diese dann zu veröffentlichen, was soll die Gemeinde dann machen. Dem Penny die Zulassung entziehen, einen anderen Discounter aus dem Hut zaubern, einen Lebensmittelbus über Land fahre lassen, oder was?
Informationen wären toll, keine Frage. Aber was hätte der Verwaltung machen sollen?
Ich meine dazu folgendes
Sie hätte offen kommunizieren können, dass man sich um Informationen bemüht, aber keine erhält, und die Sorge der Einwohner um den Erhalt teilt. Indem keine Stellung bezogen wurde, wurde der Eindruck erweckt, dass die Befürchtungen der Bürger nicht ernst genommen werden. Was wiederum Frustrationen weckt und – wie wir landesweit seit geraumer Zeit beobachten können – Protestwähler aktiviert.
Ich bin voll und ganz Ihrer Meinung, es hätte Informationen geben müssen. Es reicht nicht aus wenn der BM zwar den Hinweis postet dass der Markt geschlossen ist, mehr aber nicht. Warum wird von Amts Seite kein weiterer Kommentar gegeben? Es ist wie überall, sie sitzen auf ihren Stühlen und halten daran fest, merken aber nicht, dass sie nichts mehr fürs Volk tun. Sie glauben alle, dass sie sooo viel machen, und im Grunde genommen machen sie nichts. Schade eigentlich
Der Penny bei euch hat eine ganz andere Bedeutung als der hier um die Ecke in der Großstadt. Wenn der hier geschlossen wäre, dann gibt es notfalls halt den Aldi, den Edeka, den Rewe City, das Kaufland, den MOA-Bogen sowie kleine Einzelhändler reihum nur im Bezirk Moabit. Wir haben da also gut reden. Das alles ist außerdem per Rad und sogar per pedes erreichbar. Politisch freilich geht es nicht bloß um liebgewonnene Annehmlichkeiten, vielmehr um die Nahversorgung. Sich hierum zu kümmern, ist nicht primäre Aufgabe der Bürger, sondern schon auch der Politik.