Unser Amt – ein ausgezeichneter Sehnsuchtsort?
Unser Amt – ein ausgezeichneter Sehnsuchtsort?

Unser Amt – ein ausgezeichneter Sehnsuchtsort?

Neuerdings scheinen Gemeinden, um ihre Attraktivität für Hinzuziehende und Besucher steigern zu wollen, sich weniger darum zu bemühen, als Kurort ausgewiesen zu werden. Im Trend liegt derzeit die Auszeichnung als Sehnsuchtsort. Und wer führt das Ranking an? Man glaubt es kaum: unsere Gemeinde!

Dieses Gerücht hält sich jedenfalls seit Jahresbeginn im Amt hartnäckig. Sogar die Landeszeitung titelte Anfang dieser Woche: „Amt Neuhaus gilt plötzlich als Sehnsuchtsort am Elbufer.“ Bei einigen Hiesigen sorgte die vermeintliche Auszeichnung für Verwunderung und Kopfschütteln. Mich eingeschlossen, zumal mir ein Bericht von Sascha Nitsche in Erinnerung geblieben war, der unter der wenig schmeichelhaften Schlagzeile „Neuhaus ist nicht besonders attraktiv und trotzdem kein entvölkertes Gebiet“ am 12. September 2025 online erschienen war.

Stutzig machte mich zudem, dass beide Berichte sich auf die gleiche Quelle beriefen. Nämlich auf eine Befragung hiesiger Neu-Einwohner durch die Empirica AG mit Sitz in Berlin für die wissenschaftliche Langzeit-Studie „Wohn- und Lebenskonzepte in der Peripherie“, die erstmals im Mai 2024 durchgeführt worden war. Initiator ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), dem mit dem Forschungsvorhaben daran gelegen ist, „die ‚aktuellen „Stadt-Land-Wanderungen‘ zu analysieren, um Ursachen und Motive der Umzüge zu verstehen und deren räumliche Auswirkungen einschätzen zu können.“

Natur: ein Pfund © GvP

Fakt ist, dass die Empirica-Befragung unter Neuankömmlingen dem Amt Neuhaus – wie Sascha Nitsche in seinem Bericht dazu bereits nahegelegt hatte – wenig Attraktivität bescheinigte. Der Index lag sogar bei minus 62.2. Bemängelt hatten die Befragten vor allem eine fehlende überörtliche Versorgung, Defizite in den Bereichen Kultur, Freizeit, Mobilität, ärztliche Versorgung und schnelles Internet.

Was wiederum heißt, dass unsere Kommune bei den Machern der Studie nicht etwa mit Lebensqualität, sondern lediglich durch quantitativen Zuwachs gepunktet hat. Nämlich durch Zuzug, vor allem durch Heimkehrer, die die Sehnsucht nach ihrer Familie zurückgetrieben hatten, Familien, die auf der Suche nach günstigen Wohnraum gewesen waren, und Naturliebhabern.

Wie passt das zum postulierten Selbstverständnis als Sehnsuchtsort? Hier dürfte ein Missverständnis vorgelegen haben, das sich ohne bewusstes Zutun erst von Mund zu Mund in der Gemeinde und zuletzt medial verstärkte. Denn in der Abschlussveranstaltung „Wohn- und Lebenskonzepte in der Peripherie“, die am 30 Oktober 2025 im Berliner Ernst-Reuter-Haus stattgefunden hatte, war unser Amt gar nicht als Sehnsuchtsort ausgezeichnet worden. Vielmehr hatte unser Bürgermeister dort im zweistündigen Panel zu den Fragen „Was macht einen Sehnsuchtsort aus? Und wie werde ich Sehnsuchtsort?“ Rede und Antwort gestanden. Bodenständig sind seine Ausführungen ausgefallen:

ein weiteres Pfund: günstiger Wohnraum © Sabine Münch

„Um Sehnsuchtsort zu werden, sei der erste Schritt, die eigene Gemeinde genau zu betrachten und daraus die individuellen Möglichkeiten abzuleiten. Jede Kommune müsse ihren eigenen Weg finden und den Mut haben, einfach anzufangen. So sei es gelungen, den Wohnungsleerstand deutlich zu senken. Gleichzeitig forderte er, Fördermittel leichter zugänglich zu machen, um lokale Ideen schneller umsetzen zu können. Darüber hinaus sollte man nicht nur was für potentiell Zuziehende oder Touristen machen, sondern vorrangig für die eigene Bevölkerung.“

Was schlussfolgern wir daraus? Das Amt Neuhaus als einen Sehnsuchtsort zu bezeichnen ist nicht richtig, aber auch nicht ganz falsch. Unser Bürgermeister Andreas Gehrke arbeitet daran.

 

 

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Ein Kommentar

  1. Gerd

    Das erinnert an eine Begnung auf dem Deich. Günther nenne ich ihn hier einmal, erzählte ein Weile vom Leben in diesem schönen Landstrich. Wir verabschiedeten uns. Dann drehte er sich freundlich noch einmal um und rief mir zu: „Was willst du denn in Berlin!!“

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