Wahlkampf mit der Elbbrücke
Wahlkampf mit der Elbbrücke

Wahlkampf mit der Elbbrücke

Am 21. Januar 2024 stehen mit Alfred Dannenberg, Stephan Bothe und Peer Lilienthal drei Vertreter der AfD in der Neuhauser Turnhalle Rede und Antwort. Zu drei Themen: Elbbrücke, Migration und Wolf. Was ein kluger Schachzug ist, weil damit jene Reizthemen zur Sprache kommen, die den Menschen hier auf den Nägeln brennen.

Dass die Partei aktuell auf Zuspruch hoffen kann, verwundert wenig. Denn keine Geringere als Grünen-Ministerin Miriam Staude, die mit der Änderung des Landesraumordnungsprogramms der seit Jahrzehnten versprochenen Elbbrücke eine unmissverständliche Absage erteilte, hat den Rechten mit ihrem Auftritt auf der Neuhauser Informationsveranstaltung am 24. Oktober 2023 Auftrieb und Rückendeckung gegeben.

Schafe © GvP

Populismus funktioniert nur, wenn er den Wut- und Frustbürgern nach dem Mund redet. Und hier liegt das Problem, um nicht zu sagen: der Stein des Anstoßes, dem sich demokratische Parteien unisono endlich annehmen sollten. Zugegebenermaßen: wir haben es mit multiplen Krisen zu tun, die den Regierenden offenbar mehr abfordern als sie leisten können. Doch dabei läuft viel zu viel schief: in der Kommunikation, beim Habitus. Häufig kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ihnen die Bodenhaftung verlorengegangen ist und sie die Probleme und Sorgen nicht mehr wahrhaben wollen, die die Bürger tatsächlich umtreiben. Exemplarisch war hierfür Miriam Staudes ignoranter Auftritt in der Neuhauser Turnhalle. Die Bedürfnisse der Bewohner und die wirtschaftliche Bedeutung einer festen Elbüberquerung wurden nicht ernstgenommen, vielmehr mit hanebüchenen Argumenten beiseitegeschoben.

Dass eine niedersächsische Ministerin einer 12-jährigen Schülerin aus dem rechtselbischen, sprich: niedersächsischen Amt Neuhaus anrät, eine Schule in Mecklenburg-Vorpommern zu besuchen, statt ihr durch eine sichere und zuverlässige Elbquerung einen Schulbesuch in Niedersachsen zu ermöglichen, ist an kaltherziger Arroganz kaum zu überbieten. Und Handwerkern sowie Transportunternehmen zu empfehlen, sich um andere Vertriebswege zu kümmern, zeugt nur von Realitätsferne.

Das war Futter für die AfD, die sich bestens darauf versteht, handwerkliche Missgeschicke, Fehltritte und Fehlentscheidungen sowie Streitigkeiten in der Ampel-Koalition für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Stephan Bothe ist zwar kein brillanter Redner, er dürfte aber auf der Neuhauser AfD-Veranstaltung in punkto Brücke glaubwürdig rüberkommen, da er eine feste Elbquerung seit geraumer Zeit vertritt. Wir dürfen gespannt sein, wo er die vielen Millionen herzaubern will, die für die Baukosten veranschlagt werden.

Letztlich ist es wie immer. Wahlkampf mit der Brücke machen mal die einen, mal die anderen. Dass sich die AfD jetzt der Sache annimmt, ist doch nur alter Wein in neuen Schläuchen. Im Amt sollte die Masche, mit der Brücke Wähler zu ködern, nicht funktionieren. Denn von leeren Versprechen haben die Menschen hier längst genug!

Zielorientiert „Ja zur Brücke“ sagen kann, wer diese Petition zeichnet.

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3 Kommentare

  1. Gerd

    Die Hochwasser haben eben erneut gezeigt, dass es komplizierter wird als erhofft. Die Flußläufe sind begradigt und auf schnellen Abfluß angelegt. Die Auen in Deutschland sind über die Jahre auf ein Drittel geschrumpft und werden wieder benötigt. Hier ist die Region bereits etwas im Vorteil. Gewappnet ist man aber damit aber überhaupt nicht gegen Unterbrechungen. So ist die Fähre Tanja dieser Tage ebenfalls und schon wieder ausgefallen. Eine unwetterfeste Brücke, die weit gespannt ist, tut also aus Katastrophenschutz-Gründen wie aus vielerlei Sicht not. Es darf politisch nicht angehen, dass im Osten Niedersachsens ein Landstrich auf festem Boden einfach abgeschnitten wird, als handele es sich um Halligen.

  2. Gerd

    Nachgetragen sei noch die Bemerkung einer Mutter zur Schule allgemein. Schule ist staatlich – von dieser Idee rücken nämlich immer mehr Eltern angesichts der Probleme in den staatlichen Schulen oder auch angesichts besonderer Ansprüche an schulische Angebote ab. „Meine Kinder,” so meinte sie, „sind kein soziales Projekt”. Dieser Satz ist streitbar und nimmt sich Freiheiten heraus, wenn – und wo es geht. Diese Tendenz gibt es nicht nur fernab in Städten, sie wird hier noch verstärkt, wenn sich jüngst eine Ministerin für Ernährung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft leidenschaftlich unbedacht vor ihre favorisierten Projekte stellt, die ihr expressis verbis erkennbar näher stehen als die Bildung an fernen Ufern.

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