Ein Urteil hält sich hartnäckig: Dass es auf dem Land ruhig ist, dort kein Krach herrscht. Ein Mythos, den lärmgeplagte Städter, die sich nach Ruhe sehnen, gerne kolportieren. Nicht bewusst scheint ihnen zu sein, dass auf dem Land Landwirtschaft betrieben wird. Und zwar im großen Stil! Um gleich noch eine Legende über das Land zu benennen: Ausgenommen sind davon etwa nicht jene Regionen, die laut UNESCO-Programm eine Vorreiterrolle bei der nachhaltigen Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht übernehmen. Man mag sich von der Bezeichnung in die Irre führen lassen. Nichtsdestotrotz: in Biosphärenreservaten wird exzessive Landwirtschaft betrieben. So auch in der Elbtalaue, wo ich seit April 2020 lebe.

Und wo dem so ist, da ist es laut. Ziemlich laut. Eben nicht nur zur Pflanz- und Erntezeit, wenn überdimensionierte Traktoren und Zugmaschinen sowie andere schwere landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge sich in Scharen auf den Weg machen. In den engen Gassen in Neuhaus, dem Zentrum vom Amt, klirren dann die Gläser und Nippesfiguren in den Vitrinen. Stiller wird es hier zumeist erst, wenn die Sonne untergegangen ist. Und das ist im Sommer bekanntlich spät…
Und sollte die landwirtschaftliche Betriebsamkeit zur Ruhe gekommen sein, dann werden die eigenen Höfe und die privaten Gärten bestellt. Da wird gesägt, geschreddert und mit PS-starken Rasentraktoren gemäht beziehungsweise ordentlich Krach gemacht. Das Ihre zum Lärm tun die vielen Biker dazu, die vorzugsweise an den hier geltenden gesetzlichen Ruhetagen, sprich: sonn- und feiertags auf mächtigen Maschinen mit Presshammerlautstärke in Kolonnen durch das Amt rasen. An schönen Tagen versteht sich, wenn die Hiesigen in den bestellten Gärten ihre wohlverdiente Ruhe suchen.
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