Inzwischen hat sie uns alle gepackt: die stade Zeit, die ihrem Namen alle Unehre macht.
Stets frage ich mich im Dezember, was treibt uns nur dazu, alljährlich anlässlich des bevorstehenden Jahresendes in eine hektische Endzeitstimmung zu verfallen? Gerade so, als stünde nach dem alten kein neues Jahr an. Möglichst alles muss noch bedacht, erledigt und gefeiert sein.
Besinnung, Einkehr, Innerlichkeit und Ruhe scheinen zu der staden Zeit nicht zu passen. Stattdessen: Rabattschlachten, Getümmel in Einkaufsstraßen und Geschäften, Adventsmärkte im Rummelplatz-Stil und Weihnachtsfeiern in Dauerschleife. Allein vier, so berichtete ein Bekannter, stünden bei ihm in dieser Woche an. Die Vorfreude war ihm ins Gesicht geschrieben…

Wie ihm geht es scheinbar den meisten von uns. Statt die Drehzahl in der staden Zeit zu drosseln, rasen wir mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Überholspur. Wir sind gestresst, fühlen uns gehetzt und von den eigenen Ansprüchen und den Anforderungen einer Zeit überfordert, die sich in das Gegenteil von Stade verkehrt hat.
Andererseits. Wie soll man in einer Zeit Einkehr und Besinnung finden, zur Ruhe kommen, in der selbstverständlich gewordene Gewissheiten und überlieferte Werte täglich, nahezu stündlich, zerbröseln? Wo Friedfertigkeit durch Kriegstüchtigkeit ersetzt wurde, der Ausdruck „Deal“, ein Lieblingswort des derzeit amtierenden US-Präsidenten, es auf den zweiten Platz des „Wortes des Jahres“ geschafft hat, wo Bereicherungen auf Steuerkosten und Wortbrüche keine Tabus mehr sind, Ängste und Schulden wachsen? Etc.pp.
Wer mag da noch an die Weihnachtsbotschaft glauben? Ehrlicher scheint in der Tat zu sein, sich der Ersatzreligion, dem Konsumismus, hinzugeben. Mit den entsprechenden Folgen: überfüllten Einkaufsstraßen und Geschäfte, Rabattschlachten, Adventsmärkten mit Rummelplatz-Atmosphäre und Weihnachtsfeiern in Endlosschleife.
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Peter Gaymann hat dazu hübsch etwas gezeichnet. Gibt’s bei Reclam, Titel „Augen zu und durch“ …