Kurz nach dem Jahreswechsel schrieb ich hier – ironisch gewendet – „Das fängt ja gut an“. Nach dem Euphemismus, auf die Weltlage bezogen, fiel in Rosien Schnee. Erstmals nach 16 Jahren herrschte in Norddeutschland ein echter Winter. Anfangs war das schön, zog sich aber wochenlang mit Eiseskälte und Glätte hin. Auch das schlug neben der Weltlage aufs Gemüt. Gekrönt hat die miese Stimmung dann eine Influenza, die sich ebenfalls hinzog.

Jetzt aber geht es endlich aufwärts. Zwitschern und Flattern in der Luft. Die Zugvögel kehren zurück. Auch der Sückauer Storch, der eine Zeitlang aus dem Radar verschwunden war, scheint im Anflug auf sein Domizil zu sein. Die Kastanie bildet Knospen, hier und da kämpfen sich die ersten Krokusse im Garten ans Licht. Kleine bunte Tupfer in einer weitgehend noch winterstarren öden Welt, die uns an eine Widererweckung (-geburt?) glauben lassen.
Immer wieder dieses große Erstaunen, dass aus Todgewähntem Leben sprießt, aus trister Ödnis Farbenprächtiges wächst.
Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf blasser Haut, knospender Flieder, blauer Krokus umgeben vom welkenden Laub. Wem gereicht das nicht zur Freude? So die Natur eine Wiedergeburt des Lebens suggeriert, scheint alles im Lot…
Mir scheint nichts im Lot. Denn das, was gestern zählte, ist heute obsolet. Offenbar bin ich zu einem Auslaufmodell geworden, weil mir noch deutlich bewusst ist, welche Folgen Kriege haben. Mein Großvater im Zweiten Weltkrieg gefallen, mein Vater kam 15-jährig in sowjetische Kriegsgefangenschaft, dessen etwas ältere Bruder wurde im U-Boot versenkt, meine Mutter als Grundschülerin verschüttet, ein freidenkender Onkel saß im KZ.
Wo soll das hin, wenn daran nicht mehr erinnert wird? Mahnende Stimmer immer leiser werden? Sich der deutsche Außenminister angesichts der militärischen Eskalation im Nahen Osten zu der zynischen Äußerung verleiten lässt „Ein Krieg mehr“?
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Es gibt hier in Berlin Demonstrationen mit großer Sorge über das Völkerrecht. Und andere, die Hoffnung ausdrücken. Die Ereignisse überschlagen sich. Wir sind erschrocken Zuschauer und „unsere“ Meinung ist nicht gefragt. Das spürt man auch in den Statements.
Der ältere Bruder deines Vaters wurde von meinen Eltern und älteren Geschwistern als Ketzte lebend gesehen. Meine Schwester Gunild verliebte sich in ihn. Von uns aus, in Zduny, Kr. Pr. Stargard, fuhr er direkt zum U-Boot – und damit in den Tod.
Die Aussage des Außenministers allein, ohne den Zusammenhang von dir zu nennen, ist etwas gewagt, sie als zynisch zu bezeichnen.