In der letzten Ausgabe der Zeit las ich einen Artikel über Khayelitsha in Kapstadt, eines der größten Townships Südafrikas. Besonders stieß mir in diesem Beitrag ein Mann auf, der seine vielköpfige Familie und sich mit dem Verkauf von Gegrilltem am Straßenrand durchzubringen versucht. Feil bietet er, was hierzulande als sogenanntes Abfallprodukt exportiert wird und in Fachgeschäften als getrocknetes proteinreiches und fettarmes, die Gelenke, Haut und das Bindegewebe stärkendes Hundeleckerli zu haben und in meinem Haushalt vorrätig ist. Denn meine vierjährige Hündin Käthe liebt Hühnerfüße.

Jetzt scheint ein Moment zum Innehalten und Nachdenken geboten. In Kapstadt hält ein Mann seine Familie damit eher schlecht als recht über Wasser, ich kredenze dasselbe meinem Hund als „Snack für zwischendurch“… Wie unverhältnismäßig ist das denn?! Wobei: Spätestens jetzt sollte ich mich, wir uns, die wir saturiert leben, an die Nase fassen. Denn offenbar haben wir komplett verlernt, in anderen Verhältnissen als den unseren zu denken, uns über uns ins Verhältnis zu anderen zu setzen.
Nehmen wir die aktuelle globale Krise, die im Übrigen von einem losgetrumpelt wurde, der modellhaft für jene Charaktere steht, die lediglich sich selbst als Bezugsgröße kennen. Die Folgen verärgern, verstören, belasten uns. Wir schimpfen über die gestiegenen Kosten für Benzin und sorgen uns ums Kerosin. Denn sollte es daran mangeln, wie derzeit gemutmaßt wird, dürfte sich der Sommerferien-Flug ins Urlaubsparadies nach Spanien, in die Türkei oder auf die Malediven erheblich verteuern, womöglich von der Airline sogar entschädigungslos gestrichen werden.
Welch‘ schwerer Schicksalsschlag! Freilich relativiert sich manches durch einen Blick über den Tellerrand. Dann, wenn wir nicht in die Ferien fliegen können, kann jener Mann im Armenviertel von Kapstadt sich nämlich längst kein Grillgut und keine Kohle mehr leisten, um seine Familie zu ernähren.
Ihr wollt mehr lesen?
Dass einem hin und wieder der Atem stockt bei solchen Berichten ist allzu verständlich. Die Betroffenheit teilen zu wollen ebenso. Du musst dazu aber gar nicht ans Ende der Erdkugel gehen.